Ein Baum ist nicht aus Holz

18. September 2014
von schoenthal

“A tree is not made of wood,” meinte David Nash in seiner engagierten Rede zur Eröffnung seiner Ausstellung im Abtsaal. “A tree is not made of wood,” wiederholte er in die leicht verwunderte Stille hinein. “It is making wood!!” Nash lacht, aber es ist ihm sehr ernst. Ein Baum sei ein lebendiges Wesen, ein Wunder, eines der erfolgreichsten Produkte der Evolution. Holz sei erst, was er uns schenkt, wenn er gestorben ist.

Deshalb sei ihm auch der “Ash Dome” so wichtig, den er mit Schablonendruck in allen Jahreszeiten auch in der Ausstellung porträtiert. Als ihm in jungen Jahren deutlich wurde, wie kostbar sein Werkmaterial Holz sei, habe er beschlossen, für künftige Generationen selber Bäume zu setzen. Die ersten Versuche einer Pflanzung im Naturschutzgebiet Snowdonia 1977 fielen noch den hungrigen Schafen zum Opfer. So lernte er, diese mit noch schmackhafteren Setzlingen abzulenken, damit sie die zur Kuppel gedrehten Schösslinge der jungen Eschen in Ruhe liessen.

Bis heute wächst diese Naturskulptur an uns unbekannter Stelle und bleibt Inspiration zum Beispiel auch für die jüngste in der Ausstellung gezeigte Arbeit, den Dom aus dem biegsamen Kork von Eichen. Fasziniert von den geschälten Korkeichen in Portugal, bestellte der Künstler kürzlich zwei Tonnen – und staunte hinterher nicht schlecht, als zwei Container nötig waren für das Volumens dieses federleichten Materials. Kürzlich schichtete er seine Entdeckung in der Art Unlimited in Basel in die Höhe. In den Stencil Prints zeigt er die Skulptur zusammen mit dem nackten Baum, dessen ungeschälte Äste nun Stulpen zu tragen scheinen.

Für Freunde und Kennerinnen des Schönthals stellt sicher die Serie der Schoenthal Prints der Höhepunkt der Ausstellung dar: hier grüsst “Threshold Column”, führen die “Steps” in luftige Höhen und wendet sich die eine der “Charred Vessels” der anderen freundlich zu - ein schöner Nachklang zu jedem Spaziergang im Skulpturenpark, den David Nash mit diesen Skulpturen unverwechselbar mitprägte. Jedes Blatt der Stencil Prints ist ein Unikat, vom Künstler mit eigener Hand über Schablonen gepudert in Kohlestaub und Erdpigmenten.

Die Ausstellung im Abtsaal läuft bis zum 22. Februar 2015. Ursula von Rydingsvards Werkschau in der Klosterkirche ist noch bis 19. Oktober 2014 zu sehen.