Zu Besuch bei Freunden in Yorkshire

10. Oktober 2014
von schoenthal

Bereits nach seinem ersten Abstecher ins kleine Juratal, wollte Peter Murray, der charismatische Gründer von Europas grösstem Skulpturenpark YSP, sofort mit dem Kloster Schönthal eine Kooperation planen. In den duftenden Zedernholzfiguren von Ursula von Rydingsvard fanden wir die Werke, die uns alle tief berührten. Nach der erfolgreichen Lancierung der zeitgleichen Ausstellungen – für Yorkshire Sculpture Park eine Angelegenheit mittlerer Grösse, fürs Schönthal eine Par force-Leistung – stand nun ein freundschaftlicher Gegenbesuch an.

Der Landrover ist für den über 500 Hektaren grossen herrschaftlichen Landsitz das geeignete Fortbewegungsmittel. Wo wir hinfahren, grüssen liebe Bekannte: die wunderbar ins Gelände gelegten Steps von David Nash, für atemlose Städter weit milder zu begehen hier als am stotzigen Hang zum Schönthalköpfli. Eine frühe Arbeit von Ursula, eine Art Iglu in durchleuchtetem Kunstharz für uns ganz überraschend in seiner Künstlichkeit. Das erste Mal sehen wir die gigantischen Karnickel von Sophie Ryder, die so freundlich zwischen den unzähligen hübsch uniformierten englischen Schulkindern sitzen und kriechen.

Denn Yorkshire Sculpture Park ist nicht durch Zufall mit dem mit 100’000 englischen Pfund schön dotierten Museum of the Year Award 2014 ausgezeichnet worden: selten haben wir ein so engagiertes Vermittlungsprogramm erlebt. An allen Enden wird erzählt, rundgeführt, verpflegt und mit Videos, Katalogen und Souvenirs nachgedoppelt. Im alten Gemäuer eines Wirtschaftsgebäudes ist eigens ein Atelierhaus eingerichtet. Ein Internatskomplex, zum Hotel umgebaut, soll bald die Gäste von Hochzeiten und Firmenseminaren beherbergen. Und die jüngst renovierte Kapelle bestückt der hoch gehandelte Künstler Ai Wei Wei mit chinesischen Stühlen und – für einmal ganz unpolitisch – einem rostigen Baum.

Im Innenraum der modernen Galerie sind die Werke von Ursula von Rydingsvard eingerichtet; die eindrückliche Droga von 2009 etwa, aber auch ein kleiner Stapel wunderbar das Licht einfangenden Pergaments: getrocknete Kuhmagen, wie wir später erfahren, von der vegetarischen Künstlerin ganz ungerührt verwendet, die sich erst jüngst von den Schönthaler Würsten für einmal wieder zum Fleischessen verleiten liess.

  • oso24

    wow… sehr schöne Fotos!